Letzte Worte (zurück)

Talent zum Glücklichsein ...


... ist das, was ich euch am meisten wünsche. Was zum Glücklichsein gehört, muss jeder selbst wissen, muss jeder selbst herausfinden. So geht das Leben: Man nimmt einen Weg, dreht um und kehrt zurück, versucht einen anderen und kommt - je nach Wagemut und Neugier - nach unterschiedlich vielen Kehrtwendungen irgendwo an. Hoffentlich am Ziel, am eigenen - wo das ist, müsst ihr selbst finden. Den einen macht eine tolle Karriere bei einer New Yorker Bank glücklich, den anderen eine Familie wie aus dem Bilderbuch, den dritten ein tolles Auto, ein exklusiver Urlaub oder ein nettes Essen beim Italiener um die Ecke. Was auch immer eurer Ziel sein oder werden mag - glücklich soll es euch machen. Manche erreichen alles, aber zum Glücklichsein fehlt es ihnen an Talent. Vielleicht, hoffentlich sogar, haben wir euch ein bisschen Talent zum Glücklichsein mitgeben können, durch Lob und Tadel, Gespräche, langweilige oder spannende Texte und Aufgaben, durch gute und schlechte Noten, durch Orientierungshilfen für unsere komplizierte Welt oder - wie es altmodischer heißt - Erziehung. Aber auch durch Bildung, durch Vermittlung von Wissen, das für das Begreifen unserer komplizierten Welt immer wichtiger wird und ohne das man in unserer Wissensgesellschaft nicht bestehen kann. Und wenn es noch nicht reicht, das Wissen, seid ihr hoffentlich in der Lage, erfolgreich weiterzulernen - hoffentlich haben wir euch Grundlage und Motivation dazu mitgegeben. 

Wünsche für euch wollte ich formulieren, und nun sind auch Wünsche an das Ergebnis der eigenen Arbeit herausgekommen. Aber beides gehört wohl zusammen. Wir Lehrer und Lehrerinnen haben mit den meisten von euch sechs Jahre gearbeitet, um euch Wissen und Lebensorientierung mitzugeben. Ich wünsche mir und euch, das es reicht, um auf dem Weg zum Ziel weiterzukommen - Talent zum Glücklichsein sollte dabei herausgekommen sein. Lasst mich doch gelegentlich wissen, wie es euch ergangen ist und wo ihr euer Ziel gefunden habt.

Ich wünsche euch eine gute Zeit - auf dem Weg und am Ziel - und eine Gemeinschaft, mit wem auch immer, in Toleranz und Solidarität, oder wie die Christen es nennen, in Liebe. Und Dank auch dafür, dass jeder von euch zu meinem persönlichen Glücklichsein beigetragen hat, mal mehr und mal weniger, aber was wären die letzten sechs Jahre ohne euch für mich gewesen? Ein Weg ohne Ziel. Also werdet und macht glücklich - es lohnt sich! 


Jürgen Weitz